© Es war einmal …

 -ein (fast)musikalischer Rückblick in Wort und Bild von und mit Gerd Krock-

… eigentlich beginnt die Geschichte meiner musikalischen Aktivitäten mit „dem

Tag danach. Dem Tag nach einem Fernsehbericht über die Beatles im Jahr 1964 . Auf dem Schulweg kam mein Freund Enno Hungerland , heute Filmemacher

(Grimme-Preisträger) beim WDR, aufgeregt zur Straßenbahnhaltestelle und rief schon von Weitem: „hast du das gestern Abend gesehen, das machen wir auch!“

Gesagt getan, nach der Schule schwätzten wir Enno’s Mutter ihre Waschküche ab und begannen zu werkeln – anstreichen, Podest (Bühne) bauen, Schallplatten-

Hüllen an die Wände kleben, isolieren - eben einen s-u-p-e-r  P-r-o-b-e-n-r-a-u-m erstellen. Fertig !

 

 

Jetzt ging es ans üben. Enno wollte Schlagzeug spielen, ich Gitarre, doch beides war nicht vorhanden. Und spielen - spielen konnten wir auch noch nicht (ich hatte lediglich in den Ferien 3 Griffe gelernt und konnte „Heißer Sand“ von Mina) . Doch zu Ostern hatten wir eine E-Gitarre und ein Schlagzeug und nannten uns fortan „The Rebels“ . Es war sagenhaft! Enno hatte auf dem Beat-Band-Ball vom Modehaus „Fritsche“ gesehen, wie der Schlagzeuger (Helle) von den  „Beat-Kids“ ein Set richtig aufstellte und ich konnte neben den 3 Griffen für E-Dur noch 3 weitere in A-Dur. Doch was damit anfangen ? In diesem Augenblick kam uns der Zufall in Form von Wolfgang (Adolf,hört er nicht mehr so gerne) Galden zu Hilfe. Der konnte auch Gitarre spielen, ziemlich gut sogar und hatte einen Bruder, Manfred (Blues Doctor). Manfred konnte singen und Gitarre spielen und hatte einen Freund – Rolf Lamwers, der konnte auch singen ( heute fährt er Taxi). Die „MG Midgets“ waren geboren.

Wir probten jeden Tag nach der Schule ( ich mußte auf Bass umsatteln, denn Manni konnte beim Bassspielen nicht singen ) Stones und Beatles Songs, und bald

durften wir in verschiedenen Clubs ( Jazz-Club Adersstraße, Impuls, etc.) vorspielen. Die Hausbands waren damals keine „Geringeren“ als The Beat-Kids, The Consuls, The Rockets, The Formers oder The Black Teddy’s .

Irgendwann hatten wir unseren ersten eigenen Auftritt. Aufgrund meines und Ennos Alters mussten mein Vater und seine Mutter immer mit, z.T. bis nach  Dortmund. Nach einem Jahr in Jugendclubs, kirchlichen Heimen, Festzelten  u.ä. bekamen wir ein Engagement im Tanzlokal „Röseler“ in der Charlottenstraße. Zu diesem Zwecke kauften wir von Rüdiger Ulraum ( Bruder vom „Talwärts-Ulraum“) für 400,00 DM eine Klemt-Echolette Gesangsanlage, ein unglaublich tolles Teil - damals. Damit sollte nun bei Anni Ross gespielt werden. Doch in der Nacht vom 13-ten auf den 14-ten März 1966 brannte die Gaststätte aus und unsere neue Anlage war hin. Damit schien mein künstlerisches Schaffen frühzeitig zu enden.

Doch bereits 1967 hatte Manfred Galden eine neue Band formiert,  „The Action Issue Muddy Waters“.Manni (voc/gt/harp), Wolfgang (lgt), ich (bs/voc)und ein Typ namens Dieter Hard (dr/voc). Dieter wurde später durch Jimmy Scriboleit ersetzt, dieser durch „Pröttel“ Bartels, usw., usw.. Wir spielten viele Blues- und Soul-Sachen und natürlich Jimmy-Hendrix-Stücke. Einen Saxofonisten, Bernd „Pinto“ Camen, hatten wir mittlerweile auch und probten mit einem Pianisten (Gundram Probst), einem Trompeter und einem „Wahnsinnssänger“ namens Bernd Mörker. Bernd sang wie Ray Charles und soff wie Keith Richards, war aber trotzdem bärenstark. Er war hauptberuflich Wirt der legendären Kneipe „Jazz-Club Adersstraße“

              

Es kamen Auftritte in der Gruga- Halle in Essen (siehe oben, Beatfestival 1967 mit Uschi Nerke als Ansagerin), einem Beat-Band-Ball in der Wuppertaler Stadthalle  (u.a. mit The Lords, The Rattles, Graham Bonney, Roberto Blanco), dem Tanzkasino Hilden (Inhaber Heinz Jansen) und viele Gigs in den Harding-borrough-Barracks (engl. Kaserne auf  W’tal-Lichtscheid), die immer wieder ein Highlight  waren : Scheißessen, aber 2 Liter Gin oder Whisky für 10,00 DM, 1 Stange Zigaretten für 8,00 DM sowie An- und Abfahrt im englischen LKW mit besoffenem Fahrer und einem Dutzend Damen des horizontalen Gewerbes.

Stark waren auch unsere Auftritte mit Blueslegenden wie Champion Jack Dupree oder Curtis Jones (+1971 in München). Aber die Zeit mit Action Issue  ging irgendwann zu Ende und ich schloß mich einer Formation mit „Pröttel“ Bartels (dr/voc), Jochen Gerling (voc) und „Max“ Georg Ralle (gt/voc) an. An der Sologitarre wechselten sich Wolfgang Galden und Heiner „Memphis“ Boos  ab. Selten soviel Spaß gehabt ( den Namen der Band habe ich leider vergessen ) !

 Dann wurde es ruhig, musikalisch gesehen, aber 1972 traf ich durch einen Freund auf Florian Rudolf und seine Band „ Mad Sound Company Ltd“. Glücklicherweise mußte der Bassist zum Bund und ich nahm seine Stelle ein.

Die Besetzung änderte sich mehrfach, u.a. spielten Werner Siegmund  (gt/voc), Bernd Reinartz (kb), Regina Rommel (fl/voc), „Schmatzi“ Schmitz (dr), eine dunkelhaarige großbusige Marion (voc), Florian Rudolf (gt/bs/harp/voc), Klaus „Baumann“ Brieda (b/voc) , ich (gt/bs/voc/harp/banjo,Kazoo). Aber die Band  verkraftete die ständige Fluktuation nicht und löste sich 1973 auf.

 Klaus Brieda, Florian Rudolf und ich blieben übrig, und wir brauchten einen Schlagzeuger. Das wurde dann Klaus Hirschberg, ein Freund von Klaus Brieda aus früheren Zeiten mit der Ennepetaler Beatband „The Skillys“. Florian Rudolf wechselte zu den Keyboards, Klaus „Baumann“ Brieda spielt Baß,  Klaus „Tarras“ Hirschberg Schlagzeug und ich Gitarre. Gesungen haben wir alle. Wir nannten uns „Time“. Wir brachten in dieser Zeit mit großem Erfolg im Ennepetaler Raum und in Wuppertal ein Gemisch aus Beat-, Soul-, Schlager- und Stimmungsmusik auf die Bühne. Nach fast 5 Jahren und ca. 80 Auftritten löste sich die Formation auf.

 Florian Rudolf, Klaus Brieda und ich gründeten die Band „Fancy Factory“. Wir spielten von nun an nur noch Eigenkompositionen, die hauptsächlich aus meiner Feder stammten.  Die Band wurde durch den Schlagzeuger Oswin „Pröttel“ Bartels und die Sängerin Anette Büchsenschütz ergänzt. Nach einigen Auftritten, mit jedoch meist fremden Material, löste sich die Band Anfang der 80-er Jahre ziemlich lustlos auf

Büchsenschütz/Krock (Fancy Factory)  

Nun begann, musilakisch gesehen, ein Durcheinander. Ich spielte mit verschiedenen Leuten, u.a. mit dem sagenhaften Pianisten Rafael Jung, einem Bassisten namens Wilfried Moll, Wolfgang Schultze von der Garden City

Company, Anette Büchsenschütz, Lynnette Jung und verschiedenen Schlagzeugern, einmal sogar mit einem Drumcomputer. Wir spielten alles, was sich in Noten ausdrücken ließ: Blues, Swing, Western, und Tanzmusik. Dann wurde Rafael Jung Leiter der Landesmusikschule Oldenburg und … die Band add acta gelegt. Vorbei ist vorbei.  

Es traf sich, dass glücklicherweise auch andere Bands auseinander gingen, und so suchten 1983 zwei Mitglieder der ehemaligen „Profi-Truppe“ The Lonelies einen Bassisten und einen Gitarristen – Hans-Rudolf Steinhofer und Jürgen Schmitz trafen Gerd Krock und Wilfried Moll.

 Die „alten“ Lonelies bekamen 1965 einen Schallplattenvertrag bei ARIOLA und landeten 1966 mit „At the hop“ in den „Großen Acht“ von Radio Luxenburg.

Doch mit den „neuen“ Lonelies war alles eine Nummer kleiner. Wir tingelten, u.a. im Cafe Brill, in den Motorradläden von Bernd Borcherding bzw. Epo Schülke sowie im „Olld Winteberg“ bei Rainer Erhard. Ferner gab es größere Gigs wie die legendären Rundschau-Scheunenfeten mit den „Lords“ und „Scholle & his friends“ sowie Auftritte beim Oktoberfest auf Sudberg mit den „Striekspöen“, „De Höhner“ und den „Bläck Fööss“.

Im Jahr 1986 hieß es dann für mich „ ... wie hant en angern för de Gitarre, Du wets doch wie dat so löppt“ (O-Ton Rudi). „Wie dat so leep“, wußten nur Rudi, Willi und Jürgen - ich jedenfalls nicht. Naja, Schwamm drüber !

 Dann, es muß so 1988 gewesen sein, sprach mich der alte Saitenzupfer „Atti“ Reinartz von Age of Aquarius an, ob ich ihr neuer Gitarrist werden wolle? Nach einem ersten Bandzusammentreffen bekam ich einen Ordner mit ca. 150 –160

Stücken in die Hand gedrückt und den Auftrag, das Repertoire bis zum Jahres-wechsel zu lernen.

Zu Weiberfastnacht ging es nach Leverkusen und ich mußte mit. Ich sollte auf einer Westerngitarre mitspielen, zur Probe sozusagen. Doch alles kam ganz anders. Nach der ersten Runde verabschiedete sich Atti mit Fieber und Durchfall und  wurde nach Hause gefahren. Nun wurde die Probe zum Ernstfall, denn ich wechselte von der Westerngitarre zum Baß.     Malzeit !

Was folgte war in vielen Dingen für mich, musikalisch gesehen, Neuland : Satzgesang (bis zu 4 Stimmen), Disziplin, Präzision und leider auch wenig Lachen bei den Proben – Ernsthafigkeit war angesagt ! Trotzdem war diese Band das Beste, was mir musikalisch passieren konnte.

Die Besetzung lautete wie folgt: Schlagzeug: (der Reihe nach) Manfred-Martin Nutsch-Mai, Bernd Neunz, Peter „Trommelfritz“ Altenfeld, Baß/Gesang: Kurt „Atti“ Reinartz, Gesang/Harp: Wolfgang „James“ Gabriel, Gitarre/Keyboard/ Gesang:  Kurt „Ossi“ Oswald, Gitarre/Keyboard/Gesang: Gerd Krock. Zum Repertoire gehörten Klassiker der Hollies, Beach Boys, Marmelade, Beatles, Tremeloes, Shadows und natürlich „Cara mia“ von Jay & the Americans.

 Wir hatten mit der Truppe mächtig Erfolg und spielten mit so bekannten Bands wie: The Tremeloes, Smokie, The Searchers, The Lords, Casey Jones & The Governors, Suzie Quattro, Geier Sturzflug und Chris Andrews.

Im Jahr 1993 habe ich auf eigenen Wunsch die Band verlassen.

Danach beschränkten sich meine musikalischen Aktivitäten auf gelegentliche Saitenziehereien mit Freunden und Bekannten.

(Hier mit Wolfgang Galden und Wolfgang Gabriel auf meinem 40-sten Geburtstag)

 Dann, im Jahr 2000 fingen Atti Reinartz, Friedel Jäger und ich an, etwas intensiver  zu proben. Rattles, Cream, Status Quo, Rolling Stones und andere waren vor unserer Spielwut nicht mehr sicher, und an dieser Stelle begann sich so etwas wie “XXL - Oldies & mehr“ bemerkbar zu machen.

Von den Lienewever kamen Pitter Bender und Jürgen Lenkeit zu uns und bald war der erste Gig gebucht. Leider spielten Atti und Friedel noch in einer anderen Band ( The Blue Fellows ) und konnten nicht weiter dabei sein. Als Ersatz wurde schnell der Ex-Aquarius-Trommler Peter Altenfeld  gefunden und verpflichtet. XXL Oldies & mehr waren geboren. Später verfeinerte mein alter Freund

Florian Rudolf mit seinem Keyboard und seiner Stimme entscheidend den Sound der Band. Gemeinsam spielten wir bei Michael Kraus eine CD ein.

 

 

Doch mein „alter Freund“ war es dann, der mit „seltsamen“ Transaktionen und Schwätzereien Stunk in die Band brachte. XXL begann langsam zu sterben – und löste sich irgendwann auf.

 Mittlerweile spielen alle Jungs in anderen Formationen: Pitter und Jürgen bei

Big B.&The Rockin’ Rabbitz, Peter Altenfeld  wieder bei Age of Aquarius (u.a.) und ich habe für einige Zeit bei Talwärts, The Speeds und Upside Down ausgeholfen. Zur Zeit treffe ich mich regelmäßig mit Freunden zum Musizieren.

 And the beat goes on …

 

Jänner 2014 (ergänzt)   Gerd Krock

PS:  -Wolfgang “Adolf” Galden und Wolfgang “James” Gabriel  können unser

         „irrdisches“ Treiben leider nur noch von „OBEN“ betrachten.

       - Der “Blues Doctor“ Manfred P. Galden  ist sehr schwer erkrankt und ist

          nicht mehr in der Lage Musik zu machen. (verstorben Februar 2012)

 … God bless you …

© 2009/2014